Presseartikel aus der PNP, 20.08.2021
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Die gute Nachricht vorneweg: Die Passauer und ihre Besucher können auch in Zukunft beim Gasthof Andorfer auf der Ries mit einem Weizenbock anstoßen und müssen sich, was die Speisekarte angeht, nicht groß umgewöhnen. Denn der Gasthof Andorfer wird so weiter betrieben wie bisher. Und doch gibt es eine entscheidende Veränderung. Denn an der Spitze des Gasthauses, dessen Familientradition bis 1919 zurückreicht, hat sich was getan. Thomas und Claudia Andorfer haben Anfang August das Wirtshaus an ihren Küchenchef Bernhard Homolka verpachtet. Damit ist er vom Küchenchef zum Chef geworden, „wobei die Küche nicht gestrichen ist“, betont er. Denn sie ist nach wie vor das Reich des 53-Jährigen. Und so wird er auch in Zukunft dort am häufigsten anzutreffen sein.

Wie kam es zu dem Wechsel an der Spitze? Thomas Andorfer (60) erzählt: „Täglich 14 bis 16 Stunden im Einsatz sein, das ist auf die Dauer in unserem Alter zu beschwerlich“, hat er festgestellt und schließt damit auch seine Frau Claudia (58) mit ein. „Außerdem haben wir zwei Enkelkinder (zwei Dirndl mit zwei und fünf Jahren) und wollen für sie mehr Zeit haben.“ Hinzu kommt: Die Andorfers haben mit der Brauerei, die ja weiterhin besteht, ohnehin noch Arbeit genug. Acht Stunden am Tag müssen sie in der Regel dafür aufwenden. Der Vertrieb des Andorfer Weizenbocks, die Abrechnungen aus dem Lohnbrauvertrag – all das koste Zeit, obwohl das Bier selbst seit 2016 bei der Löwenbrauerei hergestellt wird.

Zur Verpachtung des Wirtshauses hat sich das Ehepaar entschieden, weil es sicher sein kann, dass es bei Bernhard Homolka in besten Händen ist. „Er ist seit acht Jahren in unserem Team und wollte sich selbstständig machen“, erzählt Thomas Andorfer. Homolkas Frau Maren arbeitet mit, ebenso die beiden Söhne.

Ganz werden die Andorfers jedoch auch künftig nicht vom Wirtshausgeschäft lassen. Tochter Daniela (29) gehört nach wie vor fest zur Mannschaft. „Und wir helfen mit, genauso wie unsere zweite Tochter Stephanie (35), die hauptberuflich Lehrerin ist, wenn wir gebraucht werden“, betont Thomas Andorfer.

Endlich mehr Zeit für einen Ratsch mit den Stammgästen

Für den neuen Chef ist das sehr beruhigend, denn mit der Personalknappheit seit Corona ist es noch viel schwerer geworden, einen Gastrobetrieb aufrechtzuerhalten. Glücklicherweise ist das Team von insgesamt 20 Leuten bei der Stange geblieben. „Wir sind alle eine große Familie“,sagt Homolka, der als Koch schon viel herumgekommen ist auf der Welt. Mehrmals habe man ihm die Übernahme von Hotels angetragen, aber das wollte er nicht. „Ich mag ein Wirtshaus, wo ich kochen kann. Der Andorfer, das ist mein Baby, da steckt sehr viel Herzblut drin“, macht er deutlich.

Bernhard Homolka ist in Passau kein Unbekannter. Der Grubweger hat vor 35 Jahren im Hotel „Passauer Wolf“ Koch gelernt, war anschließend kurz im „Altstadthotel“, dann vier Jahre in der Schweiz am Lago Maggiore, weitere vier Jahre im Spezialitäten-Restaurant „Fisch-Fiete“ auf Sylt. Hier hat er auch die Hotelkauffrau Maren kennen- und lieben gelernt und die Norddeutsche als seine Frau mit nach Bayern gebracht. Weitere Stationen waren das frühere Weiße Bräuhaus, heute Schneider Bräuhaus im Tal in München, der Gutshof Sagmühle in Bad Griesbach, wo er die Promis bekochen durfte. Letztendlich zog es ihn wieder zurück in seine Heimatstadt. 14 Jahre arbeitete er erst als Sous-Chef und dann als Küchenchef „Am Paulusbogen“, bevor er vor acht Jahren hoch hinauf auf die Ries zum Andorfer wechselte. „Ich kann mir vorstellen, hier in Rente zu gehen“, meint er. „I g’frei mi richtig.“

Auch Thomas Andorfer, der schon im Alter von 14 Jahren im Familienbetrieb mitgeholfen hat, hat allen Grund sich auf die neue Ära zu freuen. Denn endlich wird er mehr Zeit für die Gäste haben. Sich mal an einen der vielen Stammtische zu setzen auf einen Ratsch, das liegt ihm am Herzen. „Wir haben ja sehr viele Stammgäste und Stammtische aus allen Bereichen.“

Ein absolutes Muss ist freilich das traditionelle Weißwurstessen, immer sonntags um 10 Uhr. Das wird er auch in Zukunft nicht versäumen. Und: Wie könnte es anders sein? Mit einem Andorfer Weizen auf die neuen Zeiten anstoßen.

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